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Simon Hallenbarter im Interview nach seiner schönen Woche in Ruhpolding (12-13.01.2008)

Simon Hallenbarter durchquert die Ziellinie in Ruhpolding
-Simon Hallenbarter durchquert die Ziellinie in Ruhpolding-

(Befragt wurde Simon Hallenbarter von Swiss Ski) Herzliche Gratulation zur erfolgreichen Ruhpolding-Woche ! Kamen diese Ergebnisse (6. im Sprint, 11. Verfolgung) für Sie überraschend? Simon Hallenbarter: "Es war schon überraschend, wie weit ich nach vorne kam. Ich wusste allerdings schon seit Dezember, dass ich ganz gut in Form bin. Schon damals wären Top15-Ergebnisse möglich gewesen, es lag allerdings an dem berühmten einen Schuss, der jeweils daneben ging. Nun ging auch das Schiessen auf. Mit meiner ersten 0/0-Runde in einem Einzelwettbewerb habe ich gezeigt, was im Biathlon möglich ist. Darüber bin ich unglaublich glücklich."

Was gab den Ausschlag dafür, dass Sie derzeit in der Form Ihres Lebens sind? SH: "Läuferisch hat es in dieser Saison eigentlich immer gepasst und auch das Material war gut. Ich war bislang, in den vorherigen Saison, einfach zu wenig konstant. Daran habe ich hart gearbeitet und konnte nach einigen Rennen diese Konstanz aufweisen. Schiesstechnisch bin ich stabiler geworden und diese Kombination führt zum Erfolg. Mässige Laufresultate können kaum durch eine gute Schiessleistung kompensiert werden und auch umgekehrt liegen keine Spitzenplätze drin. Ich glaube, die Resultate von Ruhpolding dokumentieren, dass wenn alles passt, auch wir Schweizer vorne dabei sind. Hat man sich erst eine gute Ausgangslage in einem Sprint erarbeitet, kann das nächste Ergebnis in einem Verfolger relativ einfach erarbeitet werden."

Die Form stimmt also auch für Antholz und die WM? SH: "Die Form ist da. Ich konnte mir über den Sommer hinweg ein gutes Niveau erarbeiten und jetzt auch halten. Das stimmt mich natürlich für den weiteren Verlauf der Saison und auch die WM in Ostersund (SWE) zuversichtlich. Aber wir müssen realistisch bleiben. Resultate wie nun in Ruhpolding werden nicht jedes Wochenende passieren."

Bislang war es immer so, dass Sie ihre guten Resultate in der ersten WC-Periode heraus liefen. Nun scheint es anders zu sein, warum? SH: "Erstmals konnte ich den ganzen Sommer, den wichtigen Herbst und die ersten Weltcupwochen beschwerdefrei trainieren und bestreiten. In den Vorjahren war ich zeitweise durch Verletzungen (Ermüdungsbruch) oder Krankheiten teilweise wochenlang ausser Gefecht. Dieses Jahr habe ich das Programm wirklich von A-Z durchgezogen und an meiner Schwäche, der fehlenden Konstanz, gearbeitet."

Simon Hallenbarter in Olympia-Montur
-Simon Hallenbarter in Olympia-Montur-
Bildquelle : www.adifans.net


Als sind ins Ziel einliefen fiel ihr Blick direkt auf die Anzeige-Tafel. Was ging ihnen durch den Kopf, als Sie die Position 6 sahen? SH: "Ich wusste, als ich als Dritter vom letzten Schiessen kam, dass die Abstände nach hinten sehr eng sind und dass es eine unglaubliche Schlussrunde braucht, um den Platz halten zu können. Es war klar, dass ich Federn lassen werde. Mir war es letztlich fast egal, ob da eine 4 oder eine 6 drauf stand. Ich war komplett fertig und hab mich nur über mein bestes WC-Ergebnis gefreut."

22 000 Zuschauer sahen in Ruhpolding ihren Exploit. Auch in Oberhof waren jeweils weit über 20 000 Fans an der Strecke. Bekommt man als Athlet während des Rennens etwas von dieser Stimmung mit? SH: "Kulissen wie in Ruhpolding und in Oberhof sind auch heute noch etwas ganz Spezielles und für einen Athleten eine sehr schöne Sache. Aber während des Rennens ist man so auf sich und seine Leistung konzentriert, dass man fast nichts mitbekommt. Athleten, welche dies jedoch zum ersten Mal erleben, erzählen jeweils von ganz bewegenden Gefühlsmomenten. Ich hab da, fast würde ich leider sagen, schon zu viel Routine."

Oberhof und Ruhpolding verbindet unter anderem, dass sie lange Zielgeraden entlang der Fans haben. Springen dabei noch entscheidende Zehntel oder Sekunden heraus? SH: "Beim Sprint ging gar nichts mehr. Ich war komplett ausgepumpt und sah nur das Resultat vor mir. Mir ist vor allem wichtig, dass im Ziel das Ergebnis stimmt, ob da nun 20 000 Zuschauer schreien, oder nur ganz wenige. Aber natürlich will man vor den Fans noch einmal so richtig zeigen, dass man auch ausgepumpt noch bereit ist, alles für den Sport zu geben."

Simon Hallenbarter
-Simon Hallenbarter-


Haben sich durch die herausragenden Ergebnisse nun auch die Zielvorgaben geändert. Sie haben nun ganz vorne Luft geschnuppert..... SH: "Das Ziel vor der Saison war ein Topten-Resultat und konstant in die Punkte laufen. Dass ich dies nun erreicht habe, bestätigt mir den Aufwärtstrend bei mir und aber auch bei der Mannschaft. Matthias kommt rechtzeitig zur WM immer besser in Fahrt und auch die Jungen haben gute Leistungen gezeigt. Klar hat man jetzt mal den Atem der Flower-Ceremony geschnuppert und will mehr davon. Aber die Ziele und auch die Erwartungen, da bin ich Realist, haben sich deshalb nicht verändert." Simon Hallenbarter, besten Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg !

Quelle : www.swissski.ch
Samuel Dougoud