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Fast unglaublich ...

Es ist die Nacht vom 15. auf den 16. Februar. In der Nähe von San Sicario liegt eine zukünfitige Olympiasiegerin im Bett und schläft. In einem kleinen Dorf in Ostdeutschland hat eine zukünftige Biathlonanhängerin keine ruhige Minute auf Arbeit.

Während der zukünftige Biathlon-Fan mittags um 2 im Bett liegt und sich von der anstrengenden Nacht erholt, trifft die baldige Olympiasiegerin ihre letzten Rennvorbereitungen : "Ich war sauer wegen der 15km und ich wollte diesmal gut schießen."

Das gelang ihr. Sie hatte keinen großen Vorsprung auf der letzten Runde und sie "versuchte einfach alles zu geben." An mehr hat sie nicht gedacht. Die Tochter des zukünftigen Biathlon-Fans gab, dachte auch nicht mehr an andere Dinge und feuerte die zukünftige Olympiasiegerin lautstark vor dem Fernseher an. Da kann keiner mehr schlafen und Mutter und Tochter sitzen gemeinsam vor dem TV und schreien. Genau ! Eine Person, die sich vorher absolut nicht für Sport begeistern konnte ist vom olympischen Geist erfasst worden.

"Hoffentlich reicht das für eine Medaille !", sagt die Tochter nach dem Zieleinlauf. "Das wird Gold !", meint die Mutter optimistisch. Und was dachte die Hauptperson Florence Baverel-Robert ? "Ich wusste, dass es eine Medaille werden könnte, aber ich habe nicht an die Goldene gedacht !!"
Als der Sieg dann endgültig fest stand, waren sich Flo und ihr neuer Fan in Gedanken einig : "Als ich wusste, dass ich gewonnen habe, habe ich es nicht geglaubt. Das war so unglaublich !!" Realisiert hat sie es erst abends auf dem Medal Placa in Turin.

Florence hatte bei ihrer Vorbereitung auf Olympia genug Ruhe. "Ich hatte ja nicht den Druck wie Sandrine und Raph. Auf mich hat keiner gewettet und dadurch war es viel leichter." Im Gegensatz dazu musste ihr neuer Fan die letzten Nächte vor diesem denkwürdigen Rennen auf Arbeit verbringen und trotzdem war nach dem Rennen die Müdigkeit wie weggeblasen.

"Mit harter Arbeit schafft man es auch ohne Doping !", sagt der neue Biathlonfan, als wäre sie schon Jahre dabei, mit Blick auf die Dopingaffäre Pyleva. "Ich bin einfach für unseren Sport enttäuscht.", sagt Flo. Keine Vorwürfe, keine Verdächtigungen, nichts ! Aber mit dem olympischen Sprint der Frauen bringt sie ja viel schönere Dinge in Verbindung …

Gut eine Woche später, sitzt Flo's Fan wieder ganz aufgeregt vor dem Fernseher und hofft auf eine Medaille im Staffelrennen. Es wird Bronze und das "Sahnehäubchen auf dem Gold". Oder nicht ? "Es ist schwer zu sagen, welche Medaille die schönere ist. Aber die in der Staffel wiegt sehr stark, weil mich 4 Jahre darauf gefreut habe, um die Trainer und die anderen Mädels zu belohnen. Das ist halt eine Emotion, die man mit der ganzen Gruppe teilt und das ist genial !!"

Und wie sich das Leben des Biathlonfans durch eine neue Leidenschaft geändert hat, so hat sich auch bei Flo einiges geändert. "Die Aufmerksamkeit der Medien ist jetzt viel größer. Ich habe einen Werbespot gedreht, der auf allen Sendern läuft. Man will ständig Interviews mit mir und wenn ich einkaufen gehe will jeder mit mir reden.". Es gibt keine Frage, die man ihr noch nicht gestellt hat.
"Es sind schon viel zu viele Fragen !", sagt ihr Mann Julien, "Und eigentlich mag sie es auch nicht sehr befragt zu werden.".
Im Frühjahr hatte Flo sogar die Ehre für eine Hilfsorganisation Geld bei der TV-Show Fort Boyard, seit Jahren ein erfolgreiches Format im französischen Fernsehehn, zu sammeln : "Das war eine schöne Erfahrung für mich und wir waren ein tolles Team. Außerdem war es ja für einen guten Zweck (ein Verein die den Familien von Soldaten, die Probleme haben, hilft) ! Ich musste keine schwierigen Sachen machen, also lief es gut für mich. Ich habe in den Spielen alles gegeben, um zu gewinnen !!"

Dann bleibt natürlich die Frage, wie lange Florence der Biathlon-Welt noch erhalten bleibt. Schon im Januar sagten sie und ihr Mann, dass sie bald Nachwuchs wollen. Da liegt der Abschied nach so einer perfekten Saison natürlich nahe … "Man kann die Saison nicht perfekt nennen. Ich will viel ausgeglichenere Leistungen bringen, vor allem im Dezember, wo ich immer weniger gut bin. Ich werde die nächste machen und mich dann entscheiden, ob es weitergeht oder nicht."
Es gäbe zumindest eine ganz bestimmte Person, die über weitere Saisons recht glücklich wäre …
von Anne Gassner (Juli 2006)