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Interview mit Vincent Defrasne

Nur wenige Stunden nach seinem großartigen Sieg im Sprint von Oberhof, befragten wir Vincent Defrasne über seine Karriere, die Olympischen Spiele und Familie.

Wie fühlt es sich an der Sieger eines Weltcup-Rennens zu sein ?
Natürlich bin ich sehr glücklich, weil ich denke, dass ich ein wirklich gutes Rennen gemacht habe. Ich war voller Hoffnung für diese Rennen in Oberhof und ich habe mich extra vorbereitet, um hier in guter Form zu sein und es hat geklappt. Also bin ich sehr froh.

Ich nehme an, dass du mit deiner Saison bisher sehr zufrieden bist ?!
Ja klar ! Es ist besser, als meine Hoffnungen waren, weil ich wollte Podiums machen, doch habe ich nicht wirklich gedacht, dass es passieren könnte und vor allem nicht zu Beginn der Saison. Es macht Spaß und ich bin sehr glücklich.

Was ist bei Olympia möglich ?
Ich denke, dass einiges möglich ist, denn ich merke, dass ich Fortschritte gemacht habe. Das wollte ich schaffen und es hat funktioniert. Sicherlich kann ich jetzt an der Spitze sein, aber ich weiß, dass das nicht jedes Rennen passieren wird und dass es auch wieder schwache und schwere Rennen geben wird. Aber ich habe Fortschritte gemacht und ich denke, dass ich für Olympia gut vorbereitet bin und eine Medaille gewinnen kann. Was ich will ist eine Medaille in einem Einzel-Rennen und eine mit der Staffel. Egal welche Farbe !

Wie ist die Atmosphäre im Team ?
Es ist schön. Es ist anders als die Jahre zuvor, weil wir eine neue Saison haben, aber es ist wirklich in Ordnung. Jeder will cool sein und jeder will sie weiterentwickeln, für die Staffel und für sich selbst und deshalb ist es eine gute Atmosphäre !

Was denkst oder fühlst du vor einem Rennen ?
Das ist unterschiedlich, manchmal bin ich nervös und manchmal eher entspannt. Heute Morgen war ich sehr gestresst wegen dem Nebel und der Verschiebung des Renen, aber ich wusste, wenn der Wettkampf stattfindet wird es in Ordnung sein und ich machte meinen Job wie immer.

Hast du in Ritual ?
Ja, das ist … Ich will nicht darüber redden (lacht) ! Es ist etwas, was ich in meinem Kopf mache. Klar ist es nicht immer das Gleiche, weil ich mich nicht jeden Tag gleich fühle, aber es ist etwas, dass ich in meinem Kopf wiederhole. Eine mentale Vorbereitung !

War heute der bisher schönste Moment deiner Karriere ?
Vielleicht nicht der schönste, weil viele Dinge waren gut, wie die Medaille bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City und es gab auch andere gute Dinge zum Beispiel wenn das Training mit dem Team schön war.
Es ist nicht der beste, aber einer der besten !

Bisher warst du ja immer ein wenig im Schatten von Raphael. Denkst du, dass sich jetzt einiges verändern wird, wie mehr Druck von den Medien oder Fans ?
Ja, natürlich wird sich etwas verändern, vorallem weil bald Olympische Spiele sind und da ist natürlich jeder sehr aufmerksam und man beobachtet die Resultate und man wird nun von mir mehr gute Resultate erwarten. Aber ich weiß, dass es so ist und deshalb ist es kein Problem.

Was denkst du ist der Grund das Biathlon im Gegensatz zu Langlauf oder Radfahren dopingfrei ist ?
Wir wissen nicht, ob es dopingfrei ist ! Wir nehmen es an, weil wir Raphael, den Besten von allen hatten, und wir wissen, dass er nicht gedopt ist und es ist das Selbe mit Sandrine. Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll; vielleicht liegt es nicht in der Kultur des Sports. Vielleicht gibt es Doping, aber nicht viel und es ist schwer zu wissen wer und wann.

Wie beurteilst du die Änderungen im Biathlon, wie die Show-Rennen oder Nacht-Rennen ?
Ich mag das, weil es Spaß macht zu laufen, jedoch wäre ich nicht glücklich, wenn es immer so wäre, denn wir müssen Biathlon wie das traditionelle Biathlon lassen.
Für die Show einige Veränderungen zu machen ist schön, aber es muss bei den hauptsächlichen Regeln des Biathlons bleiben. Manchmal ein Nachtrennen ist in Ordnung, aber nicht die ganze Zeit, das würde zu einem wirklichen Problem werden ! Es ist kein Problem in der Nacht zu laufen, jedoch sich danach zu erholen. Wenn du erst um 5 ein Rennen hast, ist es schwer, weil man danach nicht sehr viel Zeit hat in Ruhe zu essen oder für ähnliche Dinge.

Hast du in Vorbild ?
Nein, tut mir leid ! (lacht) Es gibt viele Personen, die ich sehr bewundere, aber niemand Spezielles.

Wie sieht es mit Familie und Kindern aus ?
Wir hoffen, dass wir bald Kinder bekommen. Es ist schwer, weil ich ständig weit weg bin und meine Frau muss viel arbeiten. Sie ist ein Doktor und hat erst vor kurzem ihr Studium beendet, also muss sie nun sehr hart arbeiten. Es ist eine schwere Entscheidung !

Interview geführt von Anne Gassner & Karolin Hemp im Januar 2006