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2007, die Weltmeisterschaften in Antholz
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Freitag morgen, der 9. Februar : ich treffe im Dorfzentrum von Jougne, ein Paar Kilometer von der Schweizerisch-französischen Grenze entfernt, ein. Der Treffpunkt für diejenigen, die in den Bus einsteigen wollen, der nach Antholz fährt, ist auf dem Skiliftplatz. Zwar habe ich einen ziemlich grossen Betrieb kurz nach der Grenze gesichtet, bin aber um jeden Zweifel aufzuheben bis zum Dorf gefahren…was sich als eine kluge Massnahme erwies, denn sowohl ein Einheimischer als auch Emile Jeannier, den ich telefonisch erreichte, bestätigten, dass der bescheidene Parkplatz vor einem noch bescheidenerem Lift der fragliche Skiliftplatz war. Aber man wird doch nicht gleich kritisieren, gell, zumal, einerseits, ich eine grosse Schweizer Fahne mitgebracht habe, was leicht als Provokation angesehen werden könnte, andrerseits wartet auch keine geringere als Kiki Gros auf den Bus !
Um dieser Reise den nötigen Schwung zu verleihen, nehme ich sofort eine Flasche Waadtländer Weisswein aus meinem Rucksack : noch vor Erreichen des Zolls ist sie entleert. Der Becher, den ich für mich behalten hatte, war aber aufgeritzt, womit das Meiste, das ich mir eingeschenkt hatte, auf meine Beine floss ! Hoffen wir, dass es für dieses Wochenende bei diesem einzigen Malheur bleibt…
Anderthalb Stunden später und schon ein französischer Sieg ! Wir machen am Grauholz einen Halt, dort wo 1798 die Truppen von General Balthasar von Schauenburg den letzten bernischen Widerstand zerschlugen. Das Wetter ist wunderschön und bietet einen wunderbaren Blick auf die Voralpen ; der Gurnigel, Stätte anderer Handlungen, jedoch sportlicher Natur, scheint uns in seinem Winterkleid eine gute Fahrt zu wünschen.
Die musikalische Stimmung entspricht perfekt unserem Ziel : die hausgemachten Best Of’s zelebrieren den Akkordeon in allen möglichen Variationen und auch « Anton aus Tirol » lädt sich an Bord ein, wobei die Leute aus dem Doubs vorerst wegen der schönen Schweizer Landschaften vor lauter Entzücken stöhnen ! Einige Scheiben Wurst später wurde Cicco, den einzigen elsässisch-korsischen, in Chur wohnhaften Bierbrauer, in Trübbach geholt, Martina Hingis’ Dorf, in dem ich vor etwa 10 Jahre ein Militärfahrrad zerstört habe, anlässlich eines Sturzes von dem ich eigentlich eher glimpflich gekommen bin ! Cicco's "Muntionen" erlaubten es, das Wiedersehen der alten Kameraden von Andermatt gebührend zu feiern, und schon trällerte das Hintere des Busses lauthals Lumpenlieder und Nationalhymnen…
Endlich trafen wir in Bozen ein, wo sich unser Hotel fand und wo der Abend ein kurzer und ruhiger wurde, denn morgen mussten wir schon um 6 Uhr aufstehen. Andrerseits muss man gestehen, dass dieser harte Tag uns ziemlich zugesetzt hatte !
Am nächsten Tag fahren wir mit gut 20 Minuten Verspätung gegenüber den angekündigten Fahrplan ab, denn das Hotel hat es nicht fertig gebracht, den für den Abendessen vorgesehenen Proviant früher zu liefern (denn wir würden erst spät zurückkehren). Trotz etwas stockendem Verkehrs, der uns schon das Ausmass der Veranstaltung messen lässt, sind wir früh genug am Wettkampfort. Unsere Freude ist es, dort von Florence Baverel-Robert höchstpersönlich empfangen zu werden, die ihre Grösse sowohl auf als auch ausserhalb der Piste bewies, indem sie etwas 90 blaue, mit ihrem Namen und der französischen Fahne bestickte Mützen verteilte !
Mit allem drum und dran ausgerüstet bestürmte unsere Schar friedlich das Biathlonareal, wo ein Fest der europäischen Völker (eigentlich, zum grössten Teil Deutsche und Norweger) in vollem Gang ist. Cicco, «JPC» und ich nehmen am Rande der Loipe Platz, um die Staffel der Männer zu verfolgen. Die Schwäche des Ortes ist, dass man die etwas weiter installierte Grossleinwand kaum sieht und obschon die Athleten an uns vorbeirasen, verpasst man das eigentliche Rennen… Aber es ist nicht weiter schlimm, denn ich habe Enzian und Pflümliwasser dabei, welche durchaus auf der Höhe der kolossalen Antholzer alpinen Landschaft sind…ich mache ein bisschen mit zwei neben mir stehenden Bayern Bekanntschaft, und prompt lassen sie mich ihren « Obstler » verkosten : nett gemeint, aber die Schweizer Destillateure können ruhig weiterschlafen… Auf der Piste ist auch nicht viel los, sowohl die Schweizer als auch die Franzosen kommen weit hinter den Russen.
Auch wenn wir vor Ort sind, müssen wir uns von den Tatsachen überzeugen lassen : um ein Biathlonrennen, insbesondere die Schlüsselmomente am Schiessstand, optimal zu verfolgen, geht nichts über die Regiebilder. Um diesem Erkenntnis Rechnung zu tragen beziehen wir sofort nach dem Ende des Staffelrennens eine Stellung unmittelbar an der Grossleinwand, kurz vor Ende des Anstiegs der « Huber Alm ». Die Zeit vergeht schnell, denn wir versuchen, die sich aufwärmenden Athletinnen zu erkennen : Guseva, Kocher, Hitzer, Delphine Peretto, Gregorin… Die Startzeit rückt näher : Vorstellung der Startenden, Musik, die die Spannung unterstreicht, die Inszenierung ist perfekt, die Spannung steigt… Noch immer glauben wir, 1A-Plätze ergattert zu haben, als urplötzlich eine ganze Reihe von Technikern ohne Wenn und Aber sich genau vor uns stellt ! Das ist aber unfair ! Übrigens, ausser Christian Dumont trägt kaum einer ein Funkgerät oder Stöcke, sprich ihre Anwesenheit hat kaum mit der Unterstützung der Athletinnen zu tun… Sie werden aber uns doch noch den Gefallen tun, zu knien, damit wir die Leinwand sehen können. Aber schliesslich ist es nicht so schlimm, denn die Aufregung ist derart gross, dass die Menge bei jedem Durchgang der Athleten vom selben Wahnsinn gepackt wird : die die vorne sind gestikulieren wild, die die hinten sind schreien, alle schreien, alles ist nur noch ein unübersichtlicher Durcheinander, die Vorbilder des Sportes steigen die Piste inmitten eines Tohuwabohus, einem Sturm von Armen, Körpern und Fahnen hoch, von der Tribüne steigt ein Raunen empor… würde das Ende der Welt jetzt eintreffen, würde man es kaum merken !
Es siegt Andrea Henkel, die ihre bisher erfolgreichste Saison fortsetzt, vor zwei Landsfrauen : die Deutschen lächeln aber ich glaube, dass es nicht minder der Fall wäre, hätte das Rennen einen anderen Ausgang gehabt. Das Antholzertal ist ein einziges « Biathlonland », alle sind locker und lächeln, die Kulisse majestätisch… Als ich in Richtung Tribüne gehe, aus der jede Menge bunter Fans strömen, stosse ich auf Anne-Marie, Pauline Macabies’ Mutter, die ich letztes Jahr auf dem Gurnigel kennen gelernt habe… hätten wir es versucht, uns zu treffen, wir hätten es nicht geschafft !
Und als ich zur Shuttlehaltestelle gehe, muss ich auf ein Glückstag schliessen, denn dort begegnet mir Jacqueline, die Tante von Pauline und Mitglied des OK's des Europacups, der demnächst in Bessans stattfinden wird ; diese versteht sofort die Gunst der Stunde zu nutzen, indem sie mir einen Stapel Flugblätter gibt, damit ich sie unter meinen Leuten verteile. Aber es sollten noch weitere glückliche Zufälle kommen. Nachdem ich den Festplatz von Antholz Mittertal und dessen « Medal Plaza » besichtigt habe, ohne dass ich meine Kollegen Cicco und JPC, gesehen hätte, benutze ich mein Handy, um sie in der richtigen Kneipe zu treffen, nicht ohne dass ich zuerst vergeblich durch die Säle eines „gelben“ Restaurants (Beschreibung Cicco), das ohne weiteres bei der Weltmeisterschaft der Gemütlichkeit mitmachen könnte, mit meiner 2m50 langen Fahne gewandert bin. Schliesslich finde ich den Ort, um festzustellen, dass meine zwei Kumpanen einen Tisch neben… Herrn Besseberg sitzen, dem Präsidenten der IBU !! Und diese selbstgenannten Biathlonfans hatten ihn nicht mal erkannt… Dass ein gewisses Mass an Unverfrorenheit zum Rüstzeug eines jeden Franzosen gehört, bewies Cicco umgehend, indem er das grosse Tier ansprach, um ein bisschen Lobbying zugunsten eines Weltcups in Frankreich zu machen und um sich neben dem Norweger ablichten zu lassen ! Hoffentlich erweist sich das nicht als ein Bärendienst :lol : ! 
Nach einer langen Wartezeit, um eine Bratwurst zu kriegen (in etwa der einzige Vorwurf, den man an die Organisatoren richten kann), der Siegerehrung mit dem « verrückten Moderator » von Antholz als Master of Ceremony und schliesslich einer guten, kleinen, unter dem Discozelt gerauchten Zigarre, brachen wir nach Bozen auf. Alle waren ziemlich matt, was mich erstaunte, denn persönlich war ich noch voll dabei.
Der nächste Tag beginnt genauso wie der vorige mit Blasmusik und Jägerliedern, doch meine Stimme gibt so langsam auf. Auch habe ich darauf verzichtet, mein sperriges patriotisches Accessoire mitzunehmen, da sein „Volumen/Nützlichkeit-Verhältnis“ gar negativ ausfiel, angesichts des alleinigen Einsatzes von Matthias Simmen im Massenstart. Nach zwei Jahren Frust, wird heute ein Tag mit historischer Dimension für die Deutschen ? Um das Rennen zu verfolgen, entscheide ich mich für die riesengrosse Tribüne, mit Überlegung, dass man das mindestens einmal erlebt haben muss. Auch wenn ich von sympathischen deutschen Fans umgeben bin, davon einer mit einer Handsirene (!) ausgerüstet, muss ich halt feststellen, dass die Grossleinwand auch hier von Vorteil ist, um das Schiessen zu verfolgen.
Andrerseits sind die Athleten schon so entfernt, dass der Spektakel eigentlich nicht so packend ist. Die Deutschen schaffen es und platzieren sich unmittelbar vor den Französinnen, deren charakteristische Einsatz zugunsten der Mannschaft wieder einmal demonstriert wurde, und die sich somit den Vize-Titel in der Staffel sichern ! Bravo !
Noch bleibt der Massenstart der Herren und die vage Hoffnung, doch noch das eine oder andere gute Foto zu schiessen… aber mit der eintretenden Bewölkung und bei der weiterhin so dichten Menge am Pistenrand werde ich diesen Wunsch nicht erfüllen können.
Uns bleibt nur noch, uns auf den Heimweg zu machen, was teils nachts erfolgen wird: Jougne erreichten wir erst um 02,40. Mit frohem Herzen sind wir zurück nach Hause, glücklich darüber, dass die Verbundenheit unter Biathlonfans, Fans der französischen Mannschaft, gestärkt werden konnte. Bis bald in Bessans und Grand Bornand, bis später auch die Generalversammlung Chaux-de-Gilley kommt !
Samuel Dougoud
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