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CISM in Andermatt-Realp : Die Reportage
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Der starke Regen, der diesen Freitag auf den Westen der Schweiz fällt verheißt nichts Gutes für den letzten Wettkampftag der Militärweltmeisterschaften. Doch Andermatt erwartet einen mit einer schönen Überraschung : Ab 9 Uhr strahlt die Sonne mit ihren wärmsten Strahlen. Allerdings hat sich die Strecke dadurch stark verschlechtert, was die Sportsoldaten und ihre Betreuer aber mit ihrer üblichen guten Laune zu nehmen wissen. Offensichtlich hilft die Freude, dass man sich in einem ungewöhnlichen Kader unter Langläufern, Alpinen und Biathleten befindet, über die Müdigkeit am Ende einer Saison hinweg. Oder ist es einfach der lustige Anblick, wie sich der ein oder andere Langläufer schnellstmöglich mit der Handhabung eines Gewehrs vertraut machen muss ?
Gerade dieser Umstand macht die Patrouille zu einer heiklen Angelegenheit, da das Schießresultat eine enorme Auswirkung auf den Erfolg hat. Ja, dieser Umstand macht das Patrouillenrennen sogar fast zu einer Lotterie : für 3 Läufer geht es darum eine einzige Scheibe mit maximal 3 Patronen zu treffen zu treffen (der Patrouillenchef schießt nicht, gibt jedoch Kommandos; auf der Strecke darf er das Gewehr einem seiner Kameraden abnehmen). Jeder verfehlte Schuss bringt eine Strafminute, also besteht theoretisch das Risiko 9 Minuten zu bekommen, nicht zu vergessen, dass einer nach dem anderen schießt und das erst nach … 20 Kilometern !
Für die französische Patrouille der Männer muss sich diesmal Alexandre Rousselet in ungewohnten Gewässern bewegen. Bei den Frauen kehrt Annelise Bailly in ihre alte Sportart zurück. Bei dem erstgenannten hat nichts geholfen, weder die Ratschläge von Jean-Paul Giacchino, noch der Beistand der erfahrenen Biathleten Vincent Defrasne und Raphael Poirée. Seine 3 Schüsse erreichen ihr Ziel nicht.
Sandrine, die schon einen zu hohen Dienstgrad besitzt, hatte zwar nicht die Ehre, die französischen Farben zu verteidigen, war trotzdem darauf bedacht, sich nützlich zu machen. Also wird sie zum "Edeltechniker". So strebt sie mit einigen Skiern geschmückt in Richtung der Männer, deren Weg wir heute Morgen schon gekreuzt haben. Wir, das ist mein Helferlein Christophe (alias Cicco2b) und ich. Dieser hatte die gute Idee, sich mit einer kleinen französischen Flagge zu bewaffnen, die dazu beiträgt die Kontaktaufnahme zu erleichtern. Oh ja, 2 Fans des französischen Teams, an diesem abgelegenen Örtchen ! Christophes schönen Beruf des Bierbrauers in Erinnerung rufend, bringt bei dieser Gelegenheit auch die Bestätigung von Sansan selbst (wie man uns schon an anderer Stelle gesagt hatte), dass das Team ein gewisses galaktisches Getränk nicht verschmäht !
Und wenn man gerade am bestätigen ist, oder besser gesagt Aufklärungsarbeit leistet, kann man leicht die Stimmen derer verstummen lassen, die nach den Olympischen Spielen von Sandrines Motivation sprachen und der Meinung waren das Ende ihrer Karriere stehe schon am Gartentor. Den Anfang nahm diese "Affäre" mit der Frage eines Journalisten, ob sie nach dem verpassten Gold in Vancouver angreifen wird, worauf sie ihrem Gewissen entsprechend antwortete, dass sie noch nichts wüsste. Also wollten wir es genau wissen, um wieder unbeschwerte Herzen zu haben, den Rauch verschwinden zu lassen und komplett beruhigt zu sein ! Und Sandrine ließ unsere Befürchtungen verschwinden, indem sie feststellte, dass sie "immer noch jung" sei, also in Richtung weiterer Saisons plant.
Für diese Präzision allein hätte sich die Reise schon gelohnt, aber der Tag war trotzdem weiterhin voll von Zufriedenheiten aller Art, wie wir bald feststellen sollten. Nicht mit den Sakramenten der Kirche, aber mit Sandrines Grüßen an den Rest des Teams Poirée & Friends (Karo und Anne) gesegnet, wenden wir unsere Aufmerksamkeit nun dem Wettkampf der Männer zu. Wir platzieren uns am Rande der Strecke an einem Anstieg, wo eine französische Patrouille 5mal ans uns vorbei lief, die vollkommen einzigartig war, da sie aus 3 Biathleten, davon ein "falscher Hase", und einem Langläufer, Vincent Vittoz, bestand. Unter der Führung des "Patrouillenchefs" findet das Schießen mit dem bekannten Resultat statt; selbst den Besten kann so was mal passieren !
Diese strategische Stelle, brachte uns außerdem die Möglichkeit, erneut mit den anwesenden Athleten und Betreuern Kontakte zu knüpfen, vor allem da ich wissen wollte wie wichtig diese Militärweltmeisterschaften sind. Mindestens seit November laufen alle auf Hochtouren. Ist die Militär-WM da nur eine reine Formalität, die man im vorübergehen mitnimmt, ohne auf die Resultate zu schauen ? Christian Persicot, der Chef des Teams : "Überhaupt nicht ! Das zählt genau so. Die Armee stellt die Athleten deshalb an und es liegt uns am Herzen, ihnen etwas zurückzugeben, indem wir alles geben, um Frankreich bei diesen internationalen Militärwettkämpfen gut aussehen zu lassen." Diese Mission ist geglückt : Die EMHM (Militärschule von Haute-Montagne) kann weiterhin stolz ihr schwarzes Béret zur Schau tragen.
Nachdem wir Sandrine's "Diät-Maßnahmen" ;-) in einem großartigen teils bürgerlichen, teils rustikalen Etablissement in Realp umgesetzt hatten, welches in einer Epoche erbaut worden war, als die Architekten noch Geschmack bewiesen, war die Stunde der Frauenpatrouille heran. Noch mehr als bei den Männern fanden sich auf dieser Liste große Namen, die sich normalerweise in den oberen Bereichen des Weltcup-Standes befinden : Wilhelm, Ponza, Brankovic, Henkel, Baverel-Robert … und diese Athleten durfte man am Start sehen, absolut entspannt ohne Kameras und Mikrophone und nah an den Zuschauern, in dieser Umgebung, wo man sogar den Glockenschlag der Kirche und die Pfeife des Bahnhofschefs hören konnte. All das, machte diese Erfahrung zu etwas irrealem, jedoch wunderbarem.
Mittlerweile scheint die Sonne sehr stark und die Strecke, die schon vom Regen in der Nacht gelaugt wurde, jedoch durch die beträchtliche Schneehöhe des Urner Winters unversehrt blieb, wurde nun zweifellos die weichste von allen, auf der unsere Heldinnen zu laufen hatten . Als Revanche war sie der Traum eines jeden Fernsehregisseur : waren die Konkurrentinnen vor unseren Augen am Anfang des letzten Abfahrt vor dem Schießstand noch versteckt, tauchten sie schnell wieder hinter einem Hügel auf und erschienen jedes Mal schwer bewaffnet vor dem perfekten blauen Himmel, um der Erfüllung ihres Werkes entgegen zu streben.
Dieses Vorgebirge wurde massenhaft vom Kader und den Kameraden, vorallem den weiblichen, der französischen Läuferinnen belagert, gestürmt. Dieser große Einsatz hatte seinen Grund, da es darum ging, den ersten Platz im Gesamtklassement zu halten. Somit wurde dieser Platz kurzerhand in das "Alpe d'Huez" des Militärsports verwandelt. Angetrieben und aus vollem Halse voran geschrieen strengten sich nicht 4 Leute für die französische Formation an, sondern vielleicht 8 oder 12. Und was für eine Mühe man sich gab : Sandrine Hudry (Langläuferin) konnte erst unsere Beobachtung billigen, wonach die Piste, von allen Bewaffneten Europas (oder zumindest fast allen) gequält, mehr einer Ruine, als etwas anderem ähnelte.
Aber nichts half ! Corinne Niogret, die sich nicht damit zufrieden gibt, dass sie sich in einer schmeichelhaften Position in den Tabellen der Sportgeschichte einschreiben konnte, hatte gleichfalls den Wortschatz mit einem ganz neuen Ausdruck bereichert als sie erklärte, dass solche Schneebedingungen nichts für "Zugpferde" sind ? Das wurde jedoch von Tadeja Brankovic und ihren slowenischen Mitstreitern, die sich durchsetzten, dementiert. Jedoch legten sie mit ihren 0 Fehlern die Latte auch sehr hoch. Die Deutschen, die 15 Sekunden vor den Franzosen lagen, waren nicht weniger zielstrebig beim verteidigen ihrer eigenen Farben und gingen mit der festen Absicht ihren 2.Platz zu verteidigen auf die letzte Runde. Sie entschieden sich, es vor dem letzten Anstieg zu machen. Auch wenn einige zweifelten, dass die Deutschen ihr Rennen auf einem solch hohen Level auch beenden könnten : Die methodische, synchrone, zielgerichtete Beschleunigung des Thüringen-Expresses und der hohe Aufwand, vor allem unter der Führung von Kati Wilhelm höchstpersönlich, sagte mehr als genug über die Qualität dieser Athleten.
Dennoch, und wie sie es selber schon wussten, war dieser Trostpreis - der ja so manche Nation zufrieden gestellt hätte ! - nichts als eine weitere herbe Niederlage in ihrer seit mehr als einem Jahr ergebnislosen Suche nach einem Mannschaftssieg. Weniger spektakulär, jedoch schliesslich nicht so uneffizient, schneiden die Französinnen mehr als ehrenvoll ab und verlieren in der besagten letzten Runde nur 4 Sekunden. Mit Recht würde man diese Berichterstattung als grobe Ungerechtigkeit abtun, wenn an dieser Stelle kein dickes Lob an Kiki Gros und Annelise Bailly ausgesprochen würde, welche immerhin in anderen Kategorien kämpfen als die Walküren aus dem Raum Oberhof.
Immer noch von diesem Wettkampf am Gipfel zwischen den Ain- und den Rheinnicker berauscht, hätten wir, das sind Cicco und ich, keinen Anlass zum Erstaunen darin gefunden, dass wir zusammen mit Vincent Defrasne und Sandrine Bailly in Richtung Zielraum marschierten ! Nachdem wir ein Paar letzte Worte mit diesen Champions gewechselt hatten, deren Zuvorkommendheit und Liebenswürdigkeit noch einmal unterstrichen werden soll, fuhren wir nach Andermatt, nachdem wir unsere nassen Schuhe ausgewechselt hatten, wo die Schlusszeremonie geplant war. Doch bevor diese anfing, beschlossen wir zuerst einmal, uns eine Hopfenkur zu gönnen sowie ein psychologisches Debriefing, wobei ich deren Effekte ich nicht zu eingehend beschreiben muss.
Im Hof der Kaserne Andermatt mit ihrer stolzen Fassade, stellte das Spiel der Rekrutenschule Aarau die farbensreiche, sanfte Harmonie der Schweizer Militärmärsche zur Schau. "Marignan", "Bellinzona" : die CISM schienen de Coubertins Worte übernommen zu haben : " indem man die olympischen Spiele feiert, gliedert man sich in die Geschichte ein ". Diese " Einsinnung " brachte uns zu neuen Entzückungen, welche im Auftritt und in der Einreihung, immer noch mit der Musik, Fahne voran, aller Delegationen, gipfelte. Es war ein grosser und starker Moment, als die deutschen Biathletinnen erschienen, auf uns zu kamen und schliesslich vor uns anhielten, (so hatte es die alphabetische Ordnung gewollt), mit Kati Wilhelm als Fahnenträgerin, eine Rolle die sie langsam auswendig kennt !

Abgesehen von der Landung vierer Gleitschirmspringer war die Zeremonie eher langweilig, und bestand aus einer mühseligen Folge von hergebrachten Reden ; allerdings kann man die Danksagung des Präsidenten der CISM an seine Schweizer Gastgeber merken, der lobte, wie einst J.A. Samaranch zu tun pflegte, " die besten je organisierten Meisterschaften " ! Aber der Moment, wo die anwesenden Franzosen am meisten fieberten, war, nachdem Frankreich zum
Sieger dieser 48. Internationalen Wettkämpfe erklärt wurde, als "La Marseillaise" gespielt wurde. Wie es sich gehört wurde die Tricolore am mittleren Mast gehisst, während das Publikum respektvoll schwieg, als die Hymne gespielt wurde.
Von dieser Überfülle an ästhetischen Emotionen auf eine Wolke geschleudert, etwas von der Höhe und der sengenden Sonne betäubt, war die Stunde herangekommen, uns verabschieden zu müssen. Der Fazit der Reise liess keinen Anlass zur Diskussion, so klar war doch der Fall: es war ein durch und durch perfekter Tag, ein Kaiserwetter, gehobene Wettkämpfe, außerordentliche Begegnungen. Ja, ein außerordentlicher und starker Tag, von dem man ohne großes Risiko sagen darf, dass er nicht so schnell vergessen wird !
Samuel Dougoud
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