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Biathlon in der Schweiz
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Angesichts des Niveaus und der Erfolge der Nachbarländer, vor allem aber von Deutschland und Frankreich, fragt man sich unweigerlich, wie es mit Biathlon in der Schweiz steht. Schliesslich ist die Schweiz zu 60% alpin, somit reichlich mit Schnee versorgt. Sind die Podeste nicht jahrelang von schweizer Abfahrer besetzt worden? Landete die weibliche Staffel in Salt Lake City nicht auf einem ansehnlichen Platz 3 ?
Dabei täuschen solche Resultate über eine grundsätzlich andere Realität hinweg. Denn eigentlich ist die Basis sehr schmal: derweil Ski alpin in der Primarschule gelernt wird, bleibt Langlauf für die überwiegende Mehrheit eine unbekannte Welt. Ein gewichtiger Faktor, denn was Jean-Pierre Egger, unter anderem Trainer von Werner Günthör, für Leichtathletik schildert, gilt auch für Biathlon : " In den Schulprogrammen haben Leichtathletik und Turngeräte Aktivitäten weichen müssen, die einen höheren spielerischen Wert aufweisen. Neue Sport- und Freizeitaktivitäten sind dazugekommen, wie Unihockey. Jahrelang bildete Leichtathletik die Grundlage des Sportunterrichtes. Die meisten Lehrer waren mit Leichtathletik oder Turnen im Allgemeinen verbunden. Wenn sie ein junges Talent erkannten, haben sie ihm gesagt: Mach weiter! Man entscheidet sich gerne für etwas, wo man schon gut ist ". Man stellt sich also die Lage des Langlaufes vor, dem ein solcher Effekt nie zugute gekommen ist.
Hinzu kommt die schweizerische Einstellung gegenüber Spitzenport. J.-P. Egger: "Das Fehlen einer Spitzensportkultur ist offensichtlich: fehlende Strukturen, keine Bildungswege, die eine Karriere als Sportler erleichtern würden. Bisher hat man noch nicht anerkennen wollen, dass Sport nicht nur eine Freizeitaktivität ist, sondern eben ein Beruf sein kann, der auch zum kulturellen Reichtum des Landes beiträgt. Leute, die herausragen, sind bei uns nicht beliebt".
Deshalb sind die seltenen Schweizer Spitzensportler quasi auf sich allein gestellt, wie man aus den Summen, die der Staat ihnen zuspricht, ahnen kann. Der Sparte Biathlon, erst kürzlich zu SwissSki angegliedert, stehen 350 000 Franken (ca. 231 000 €) zur Verfügung, nachdem es noch im vorletzten Winter einen finanziellen Scherbenhaufen gegeben hat. So konnte der Deutsche Manfred Geyer als Trainer angestellt werden. Eine Entlohnung der Athleten liegt nicht drin, sie müssen weiterhin einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, meist mit einem Pensum von 30%, wie Simon Hallenbarter etwa, den man diesen Winter bei den WC-Rennen sehen wird und der als Sanitärinstallateur sein Einkommen bestreitet. Dank regionaler Sponsoren aus dem Urserental können immerhin die Athleten in unmittelbarer Nähe des Leistungszentrums in Realp, wo übrigens die nächsten CISM-Meisterschaften stattfinden, in kostenlos zur Verfügung gestellten Unterkünften wohnen.
Peter Regli, der Chef Biathlon bei SwissSki, lobt als Leiter des Armeestützpunktes Andermatt seinen Arbeitgeber. Die Armee war und ist ein treuer Partner des Biathlons. Sie stellt wichtige Infrastruktur zur Verfügung.
Die beschränkten Mittel hindern die Schweizer aber nicht, im "grossen europäischen Spiel" mitzumischen: so hat man sie (Matthias Simmen, Roland Zwahlen, Simon Hallenbarter, Mario Denoth) zum Beispiel anlässlich der deutschen Meisterschaft in Altenberg oder im gut bekannten bulgarischen Höhenlager Belmeken sehen können.
Nebst dem Nationalkader richtet SwissSki sein Augenmerk auf die Entwicklung jener Basis, die so arg benötigt wird. Vorerst ist man um die Etablierung des Swiss Cup bemüht, der zur Zeit an sechs Orten ausgetragen wird. Diesen Sommer hat zum ersten Mal ein Bike-Biathlon stattgefunden. Oder die Kidz Trophy: allein in Realp waren 90 Kinder im Alter von 10 bis 16 Jahren am Start. "Biathlon ist für junge Zielgruppen offensichtlich "cool". Klubs, die nicht nur Langlauf, sondern auch Biathlon anbieten, verzeichnen die grössten Zuwachsraten", weiss Birrer, Chef der Wettkämpfe, weshalb er auch ein Projekt für die Basis lancierte: einen Anhänger mit allen Utensilien für einen Biathlon, inklusive Schiessanlage. Klubs und Organisationen können das Gefährt beziehen und damit leicht Biathlon-Wettbewerbe veranstalten - in Kombination mit Inline- oder Rollski-Rennen sogar im Sommer.
Doch damit nicht genug: mit dem Bau einer polysportiv nutzbaren Anlage mit 20 fest installierten elektronischen Scheiben (ausbaubar auf 30) und eines international genormten
Biathlonstadions hofft man
auf den Zuschlag der IBU für das Organisieren der Europameisterschaften. Nebst dem Gurnigelgebiet (Bern), wo bereits Europacup-Rennen stattfinden, sind die Gebiete Goms (Wallis) und Lenzerheide (Graubünden) interessiert : SwissSki wir im Frühjahr 2006 die schweizer Kandidatur aus den bis dann eingereichten Projekte wählen.
Fazit: Trotz einer eher schwierigen Ausgangslage ist man in der Schweiz gewillt, Biathlon nachhaltig zu etablieren, geht dazu gründlich vor, und man weiss es auch adäquat zu kommunizieren.
Samuel Dougoud; Photos : swissski.com, biathlon-gurnigel.com
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