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Interview mit Vincent Naveau
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Vincent Naveau ist ein junger Biathlet (Geburtsjahr 1984) aus Belgien. Er wohnt in Eupen, an der deutschen Grenze und studiert zurzeit. Seit vielen Jahren ist er ein begeisterter Biathlon-Fan und vor ein paar Jahren entschied er sich, vom Langlauf zum Biathlon zu wechseln.
Wie kommst du als Belgier überhaupt zum Wintersport ? Belgien ist ja nicht gerade eins der schneereichsten Länder ... oder hab ich da was verpasst ;-) ?
Als kleines Kind haben mich meine Eltern in die Alpen entführt und ich habe mich in die Berge verliebt ! Zurück in Belgien habe ich jede Gelegenheit genutzt um die paar Tage mit Schnee voll auszunutzen.
… und dann hast du auch so richtig mit Langlauf angefangen ?
Erstmal Hobbymäßig, weil es hier ja keine richtige Struktur gibt, ich hatte keine Betreuung und habe einfach gemacht was mir Spaß machte, das Training gehört auch dazu, immer Spaß haben !
Und wann ist es dann "ernster" geworden ? Also mit Trainer ...
Einen richtigen Trainer habe ich noch immer nicht ... vor der Saison 2003/2004 habe ich dann probiert mich "konsequenter" vorzubereiten, habe mich etwas informiert, 4 Tage Training in Frankreich, ... Ich habe probiert mein Bestes zu machen und habe mein Training organisiert. Hatte aber sehr wenig Erfahrung und habe viele Fehler gemacht (aus denen ich viel gelernt habe ...), so dass trotz des sehr großen guten Willens der Winter scheiße gelaufen ist. Ich war ab Oktober krank und bin nicht mehr positiv in den Winter eingestiegen.
Wieso bist du vom Langlauf zum Biathlon gewechselt ?
Nach dem ich mich im Sommer so gequält hatte und der Winter 2003/2004 so scheiße war, war ich wirklich sehr demotiviert. Zum glück gab es eine einzige positive Erfahrung in diesem Winter, und zwar mein erster Biathlonlauf in Candanchu, Spanien. Dazu habe ich auch den Verein gewechselt und fühlte mich besser unterstützt. Letzten Sommer kam dann das Angebot im Juli 10 Tage in Estland Langlauftrainingslager zu machen. Nach dem Winter war ich ja nicht so motiviert. Bevor ich dort hingeflogen bin hatte ich gerade mal eine Tour gemacht um zu kontrollieren ob das Material in Ordnung war.
Nochmal zu deinem ersten Rennen in Spanien. Wie war das ?
In Spanien ging alles sehr sehr schnell .... belgisch eben! Es war ein Militärwettkampf und da ich frei hatte habe ich gefragt, ob ich mitfahren kann. Wir sind an einem Montag hin gefahren, Dienstagvormittag kurze theoretische Einführung zum Schießen, nachmittags das erste Training und am nächsten Tag mein erster Wettkampf ! Ein 20km Lauf, ich hab mir sofort gesagt, dass das mein Ding ist denn für den Anfang konnte ich mit meinem Schiessen zufrieden sein. Drei Tage später ging es nach Gurnigel (CH) zum Europacup. Leider war das Wetter sehr schlecht, der Wettkampf wurde verlegt und wir sind nach Hause gefahren.
Und du hattest vorher noch nie Biathlon und das Schießen trainiert ?
Nein, außer einmal in Oberhof und einmal ein paar Schüsse bei einem Training der Mannschaft, vielleicht 70 Schuss im ganzen ... und auf der Kirmes. *g*
Wie gut (oder schlecht) ist die Unterstützung für die Athleten in Belgien ? Gibt es belgische Biathlon-Fans ?
Im Biathlon haben wir wirklich nicht zu klagen, natürlich könnte die Unterstützung immer besser sein, aber im vergleich zum Langlauf sind wir verwöhnt. Dank Jos Volders (das ist der Trainer) und den anderen Verantwortlichen. Wir arbeiten aber daran uns besser zu organisieren.
Unsere größten Fans sind die Eltern. In Garmisch haben die Meinen das erste Mal ein Rennen live erlebt! Es war schon cool, als mein Vater mit die Anstiege hoch lief und mich anfeuerte !
Wie sieht es mit Sponsoren und Ausrüstung aus ?
Sponsoren haben wir keine, ich bin dabei welche zu suchen. Das Sportgeschäft "Claessen Sport" unterstützt mich ein bisschen. Ich suche gerade einen Skiausrüster, das ist aber nicht einfach ! Für die Mannschaft suchen wir auch unter anderen noch ein Fahrzeug. Da in Belgien Wintersport ja nicht so populär ist, findet man Sponsoren nicht leicht. Bei Fußball oder Radsport ist das schon anders.
Wie viele Belgier wissen überhaupt, dass es Biathlon gibt und dass da auch Belgier mitmachen ?
Keine Ahnung, aber wir werden hier langsam bekannt. Wir probieren schon nach jedem Wettkampf einen Artikel in der Zeitung zu schreiben um präsent zu sein. Schwierig ist es auch weil die Wettkämpfe immer weit weg sind und die Leute da nicht so direkt mit zu tun haben. Anders ist es wenn hier Schnee liegt und wir einen kleinen Langlauf Wettkampf haben, da kommt die Zeitung, das Radio, Fernsehen. Da ist schon ordentlich was los !
Wie viele Biathlonanlagen gibt es bei euch ?
Keine, die naheste ist im Sauerland. Wir werden es aber probieren um trotzdem etwas schießen zu können. Hier ist noch vieles zu machen !
Könnt ihr da so richtig trainieren oder geht das dann nur bei Trainingslagern ?
Nur im Trainingslager, letztes Jahr waren wir deshalb zur Sommer Biathlon EM so konnten wir etwas schießen.
Wie viele Aktive und Trainer gibt es ? Wie groß ist euer Team ?
Wir sind vier aktive Athleten plus einen Trainer. Dazu kommen noch drei oder vier Jugendliche, die darauf warten richtig anzufangen. Aus organisatorischen Gründen konnten wir sie dieses Jahr noch nicht so richtig integrieren. Sie sind zu den Belgischen Meisterschaften in Ruhpolding gekommen und konnten somit ihre ersten Erfahrung sammeln. Zwei von denen werden diesem Sommer das Glück haben ein Lager der IBU mitzumachen. Wir hoffen, dass wir sie nächsten Winter öfters mitnehmen können.
Nur männliche Athleten oder konnten sich mittlerweile auch Frauen für den Sport begeistern ?
Wir würden sehr gerne Frauen mit dabei haben, leider haben sich noch keine gemeldet. Zum glück für uns gibt es ja die anderen Biathletinnen …
Ist es eigentlich ein Problem das Training und Studium zu vereinbaren ? Was willst du machen, wenn du mit dem Studium fertig bist ?
Letzten Winter ist es sportlich gut gelaufen, leider konnte ich an der Uni nicht ganz so erfolgreich sein und muss jetzt Klausuren nachschreiben. Nach dem Studium (oder schon während) werde ich bestimmt dahin gehen wo der Schnee liegt. Ich war im November in Schweden und Norwegen und das hat mir ganz gut gefallen, die Alpen habe ich aber auch gerne und da mehrere Bekannte in Innsbruck leben … mal sehn !
Bist du mit deiner 1. Biathlon-Saison (2004/2005) zufrieden ?
Ja sehr, von erreichten Ziele ist gar nicht mehr die Rede, es war wie ein Traum !
Was waren denn vor der Saison deine Ziele ?
Einfach mal schauen, sehen wie und was Biathlon ist. Dann sind wir nach Skandinavien gefahren … Ich konnte es kaum glauben ! Schweden, Norwegen, Biathlon, Europacup, gegen Poirée & Co laufen, … das alles war einfach unglaublich ! Eine Woche später ging es dann nach Obertilliach, kalt aber wunderschön. Dazu noch Bekannte aus Estland getroffen und ein gutes Gefühl bei den Wettkämpfen. 2 Wochen später ging es dann zu Weihnachten nach Österreich - Stubaital im Urlaubstraining. Ich war super in Form und habe beim anschließenden Biathlon Europacup in Garmisch die Qualifikation für den Weltcup erreicht.
Wie war es plötzlich nicht mehr nur Biathlon-Fan zu sein, sondern Athlet ? Und auch gegen diese Leute zu laufen, die man im TV für ihre Leistungen bewundert hat ?
Die Leute sind in der Regel sehr offen. Bei mir ist das aber so, dass mit all den Vorbereitungen, die zu Biathlon gehören, es kaum noch viel Zeit gibt, um viel nachzudenken. Du machst dein Ding, sie ihres und dann zurück zur Wohnung. Im Moment habe ich mehr Kontakte mit den Athleten aus den anderen kleinen Nationen und nicht so sehr mit den großen Nationen. Vielleicht wird sich das ja noch ändern. Ich verstehe mich sehr gut mit den Serben und Marc Raymond aus Australien. Komisch ist es wenn ich hier sitze und Weltcup oder Weltmeisterschaft schaue und "Freunde" sehe. Da denkst du doch "Scheiße ! Ich bin gleich gut oder besser als er und ich muss hier sitzen."
Wie waren die Belgischen Meisterschaften ? Soweit ich weiß waren ja nicht nur Belgier da und du warst ja auch ziemlich erfolgreich. Wie war es von der Atmosphäre her und so ?
Also als ich angekommen bin habe ich am ersten Tag meine ganz neuen Skier zerbrochen. Kannst dir vorstellen wie ich da enttäuscht war … als ich dann auf dem Weg zur Wachs-Kabine Mark (Raymond) aus Australien sah (wir waren zusammen in Norwegen) war mein Tag einigermaßen gerettet ! Er kam da mit seiner guten Laune und alles war wieder gut. Also die Atmosphäre mit den anderen ist meist sehr gut. Wir waren zusammen mit den Briten die ihre Meisterschaften machten, und alles war prima organisiert.
Sonst waren die Bedingungen eigentlich optimal, ich war wirklich in einer sehr guten Form, läuferisch war ich sogar gleich gut wie die anderen Belgier, die sonst etwas schneller sind. Als Krönung konnte ich dann ein Rennen gewinnen.
Die Wettkämpfe waren Ende Januar, seit den 24.12. war ich nur 4 Tage in Belgien, d.h. ich war wirklich sehr viel auf Schnee (hier hatten wir schon etwas Schnee vor Weihnachten) und die Form stimmte.
Was für Ziele hast du für die nächste Saison ?
Teilnahme bei Weltcup und Europacuprennen und ein Titel bei den belgischen Meisterschaften sowohl im Biathlon, als auch im Langlauf. Im Europacup muss ich ja meine Qualifikation für das übernächste Jahr erreichen, was ja kein Problem sein sollte.
Welche Rennen wirst du im Winter so bestreiten ?
Wie schon gesagt, manche Europacup- und Weltcuprennen, Rennen in Belgien, wenn ich da bin und vielleicht noch FIS-Rrennen im Langlauf. Bei Olympia ist es für uns unmöglich teilzunehmen ! Erstens gibt es die Kriterien der IBU, d.h., glaube ich, Top 30 des Nationen-Rankings, um einen Athleten am Start zu haben (oder besser und mehr Starter), das ist noch machbar. Australien hat es glaube ich geschafft. Die belgischen Kriterien sind aber unmöglich, so was wie Top 30 oder 15 im Weltcup !!!!!!! Wir haben die gleichen Kriterien wie die Österreicher ! Aber mit 100mal weniger Schnee.
Was machst du im Sommer so ? Trainingslager, irgendwelche Rennen ?
Im Sommer werde ich wohl viel lernen und es ist kein Lager geplant, höchstens ein paar Tage nach meinen Klausuren.
Interview geführt von Anne Gassner (Sommer 2005)
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