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Interview mit Lionel Laurent und Bruno Clement

Wie seit ihr Trainer geworden ? Wart ihr früher als Biathleten aktiv ?
Lionel : Ja. Wir waren beide Athleten. Dann habe ich als Trainer in meinem Comité, dann im Europacup gearbeitet und dann eben der Weltcup.
Bruno : Bei mir war es genauso. Ich war als Athlet im Europacup unterwegs, Lionel war ein wenig erfolgreicher … Medaillengewinner bei Olympia … (lacht)
Lionel : Genau : Bronze in der Staffel [Anm. : Lillehammer 1994] und WM-Medaillen [1993 Bulgarien : Bronze Team-Wettbewerb, 1995 Antholz : Silber Staffel, Bronze Team-Wettbewerb)] ! Damit ihr's wisst ! (lacht)

Gab es Schwierigkeiten am Anfang ?
Lionel : Nicht wirklich, die Mädels haben uns gut aufgenommen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Europacup und Weltcup ?
Lionel : Ja, weil wir im EC eher mit den Jüngeren gearbeitet haben und da mussten wir mehr erklären. Hier sind die meisten Athleten viel erfahrener und wir müssen nicht mehr erklären, sondern diskutieren mit ihnen gemeinsam über das Training, die Rennen usw.

Seit ihr mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden ?
Bruno : Eigentlich schon, obwohl wir erwarteten von Anfang an dabei zu sein. Die Saison hat schwierig begonnen, aber dann kamen das Podium von Sandrine und jetzt die beiden Siege in der Staffel.
Lionel : Die Mädels waren vielleicht etwas zu selbstsicher. Man dachte, dass es besser gehen würde. Wir waren dann doch zu weit von der Spitze entfernt. Wir dachten es würde einfacher gehen, haben dann aber gesehen, dass die anderen Nationen wirklich hart gearbeitet hatten und besser in Form waren.

Wir haben ja bei dieser Staffel in Oberhof etwas Neues gesehen, denn die Mädels haben nicht wie sonst durch das gute Schießen, sondern durch eine gute Laufleistung gewonnen …
Bruno : Ja, das stimmt, dass das Schießen nicht gut war, aber die Bedingungen waren schwierig, trotzdem dachte ich, dass es besser klappen würde. Die Laufleistung, das war wirklich interessant, denn unter diesem Druck, waren die Mädels in der Lage richtig gut zu laufen und zu gewinnen und das ist wirklich super.
Lionel : Außerdem denke ich liegt das auch daran, dass die Staffel den Mädels wirklich am Herzen liegt. In der Staffel wollen wir die ganze Saison gut sein und ich denke hier schaffen sie es sich wirklich komplett zu verausgaben und alles zu geben und sie wollen gewinnen !

Hat man als Trainer Athleten, die man bevorzugt, weil es einfacher ist mit ihnen zu arbeiten ?
Lionel : Ja na klar, weil jeder ist unterschiedlich und mit manchen ist es halt einfacher als mit anderen. Aber in der Gruppe funktioniert das alles gut und man weiß halt, wer sein Zeug alleine macht und wem man manchmal etwas sagen muss.
Bruno : Lionel zum Beispiel kennt Sansan ja schon länger und mittlerweile kennen wir die anderen auch sehr gut.

Gibt es schwierige Charaktere ?
Lionel : Sie sind alle schwierig, sie sind ja Frauen ! (lacht)
Bruno : Sie sind Frauen, aber auch Top-Athleten. Das war uns auch vorher klar und das ist auch kein Problem.

Wie entscheidet ihr wer in der Staffel läuft ?
Bruno : Das wird nicht nur nach den Resultaten oder dem Stand im Gesamtklassement entschieden. Zum Beispiel war Delphine in Hochfilzen nicht die am besten Platzierte, um vierte Läuferin zu sein, aber wir haben gefühlt, dass sie im Schießen sehr stark ist und wir wollten ihr eine Möglichkeit geben Selbstbewusstsein zu sammeln.

Wie geht ihr dann mit denen um, die nicht in der Staffel laufen dürfen und vielleicht enttäuscht oder traurig sind ?
Lionel : Ich glaube es besteht da nicht der Bedarf sehr viel zu reden, weil sie wissen, ob sie in der Staffel sein werden oder nicht. Man respektiert die anderen Athleten im Team und da gibt es, wenn es um die Staffel geht, keinen Streit.
Bruno : Die Mädels können teilen und auch wenn sie nicht laufen helfen sie der Staffel. Zum Beispiel haben die beiden Jungen Pauline Macabies und Marion Blondeau auch irgendwie an der Staffel teilgenommen, obwohl sie nicht aktiv beteiligt waren.

Gibt es einen Unterschied zwischen der Arbeit mit Männern und Frauen ?
Bruno : Ja, es gibt wirklich einen großen Unterschied. Sie denken nicht wie die Männer und wir mussten uns da auch umstellen und Dinge anders machen. Die Mädels denken und machen gleichzeitig verschiedene Dinge und manchmal fällt es ihnen schwer sich nur auf ein einziges Detail zu konzentrieren.

Was sind eure Ziele für den Rest der Saison ?
Bruno : Die Weltmeisterschaft in Antholz, weil wir natürlich auch in Frankreich beweisen wollen, was wir können, indem wir in der Staffel und auch in den Einzelrennen Medaillen holen. Raphael wird durch die Geburt seines Kindes wohl kaum im Kampf um den Gesamtsieg eingreifen können, aber wir wollen hier auch das Beste rausholen und bei Sandrine ist es das gleiche. Nicht der Gesamtweltcup, aber soviel Podiums wie möglich in den Einzelrennen. Für das Team ist es eine Herausforderung die Gesamtwertung der Staffel zu gewinnen.

Wie sind die Qualifikationskriterien für die Weltmeisterschaften ?
Bruno : 1mal Top 15 oder 2mal Top 20. Und dann schauen wir, ob es noch übrige Plätze gibt, weil es dieses Jahr wirklich viele Rennen sind, auch mit der Mixed-Staffel und die Mädels laufen wahrscheinlich nicht alle Rennen.
Momentan haben wir 5 Mädels, die die Qualifikation geschafft haben und dann haben wir noch Christelle Gros, die ihre Qualifikation in Ruhpolding vervollständigen kann.

Interview geführt von Anne Gassner & Karolin Hemp im Januar 2007