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Interview mit Christian Dumont

Bist du mit dem bisherigen Verlauf der Saison zufrieden ?
Ja, die französische Mannschaft hat insgesamt gute Resultate erreicht. Schon 2 Podiums der Jungs und auch 2 der Mädels mit diesem Sieg in Oberhof, also ist es sehr gut fürs Team. Und die Leader ebenfalls : Raphael hat bereits ein Rennen gewonnen, Vincent mit einem 2. Platz und einem Sieg, Sandrine die immer vorne dabei ist … ja, im Moment ist das alles sehr befriedigend.

Die Franzosen sind alle sehr gute Schützen, allerdings ist der Großteil im Laufen doch weit hinter der Weltspitze. Wie ist das zu erklären ?
Das ist ganz einfach zu erklären : in Frankreich gibt es keine Biathlonvereine, die die Ausbildung für die ganz jungen übernehmen. Die Ausbildung konzentriert sich nur auf den Langlauf. Die Kinder sind erst ab einem bestimmten Alter motiviert Biathlon zu machen. Das sind dann nicht unbedingt die schnellsten, die sich zum Biathlon orientieren und deshalb ist man im gesamten etwas langsam auf Ski.

Welche Ziele habt ihr im Weltcup oder auch für die Mixed-Staffel in Pokljuka ?
Für den Weltcup ist es wie in jedem Jahr wichtig, zu wissen, dass Frankreich zu den 5 besten Nationen gehört, momentan ist man 4. bei den Jungs und 5. bei den Mädels im Nationencup. Das ist zufrieden stellend … es ist gut. Was die Mixed-Staffel betrifft, ist das für Frankreich eine schöne Aussicht, wenn man in Betracht zieht, dass sowohl die Jungen, als auch die Herren regelmäßig Podiums erreichen. Bei diesen Weltmeisterschaften haben wir gute Chancen.

Was ist bei Olympia möglich ? Vielleicht ein erneutes Albertville für die Frauen …
Ja, ja die Spiele … ! Das ist natürlich das größte Ziel und natürlich haben wir Ambitionen. Wenn man solche Leute wie Raphael und Sandrine hat und sich auch in der Staffel Hoffnungen machen darf … man hat ja gestern gesehen, dass die Mädels in der Staffel gewinnen können und die Jungs können auch ein Podium schaffen. Außerdem haben wir Vincent, der sehr gute Fortschritte gemacht hat, genau wie Florence Baverel … in den Einzelrennen hat man ein großes Potential, also ist das ein schönes Ziel. Außerdem sind die Spiele praktisch bei uns, da sie ja nur auf der anderen Seite der Grenze sind. Man läuft also praktisch daheim und dementsprechend werden hoffentlich viele Fans da sein was ein großer Vorteil ist.

Bei den Frauen haben ja nur Sansan, Flo und Delph die Qualifikation für Olympia. Es gibt jedoch vier Startplätze, was passiert, wenn die anderen die Qualifikation nicht schaffen ?
Was die Staffel betrifft ist das etwas anders. Wir haben ja zumindest 3 Athleten, die das Einzel-Kriterium erfüllt haben. Die 4. Person muss das nicht unbedingt geschafft haben, also wird es keine Probleme geben eine Staffel bei den olympischen Spielen laufen zu lassen. Das Problem wäre vielleicht einen Ersatz zu haben, eine 5. Person, also müssen wir weiterarbeiten und hoffen, dass die nächsten Rennen gut verlaufen, um mindestens 5 Jungs und 5 Mädels bei den Spielen zu haben.

Mit Julie, Pauline und Delph sind 3 junge Athleten bereits feste Größen im Weltcup, auch mit Pauline Macabies oder Marion Blondeau hat man große Talente im Nachwuchs. Da kann man auch mit Blick auf Vancouver 2010 einiges erwarten, oder ?
Ja, das stimmt. Allerdings müssen wir nach den Spielen in Turin mit Sicht auf die Spiele 2010 weiterarbeiten, damit alle jungen Athleten weiterhin Fortschritte machen. Das macht man schon seit Beginn der Saison. Man hat einen Leistungszentrum auf die Beine gestellt, das alle jungen Hoffnungen versammelt, damit sie zusammen trainieren können mit einem Kader auf Bereitschaft. Man wird natürlich unter diesen guten Perspektiven weiterarbeiten, um bei den nächsten Spielen mindestens 5 gute Jungen und 5 gute Mädels zu haben.

Raphael trainiert ja mit seiner Frau Liv Grete zusammen und nimmt nur an wenigen Trainingslagern mit dem Team teil. Kann man ihn nicht "verpflichten" öfter mit dem Team zu trainieren ? Die jungen Athleten können doch viel von ihm lernen … ein Nachteil wäre es sicher nicht !
Raphael hat sich dieses Jahr ein bisschen von der Gruppe abgegrenzt, aber für ihn ist es auch nicht leicht : er hat eine Familie, seine Frau ist Norwegerin, er wohnt in Norwegen und die kleine Emma wird immer größer und braucht immer mehr Aufmerksamkeit. Es ist nicht wie vor 2 Jahren bei den Weltmeisterschaften hier, wo sie noch ein Baby war und wo man sich nicht so sehr mit ihr befassen musste. Und jetzt ist es wirklich ein Problem für ihn, für längere Zeit beim Team zu bleiben, obwohl die Jungen ihn als Vorbild brauchen. Aber nun ja … es ist halt so, man kann es eh nicht ändern und mittlerweile nehmen sich die Jungen eher Sandrine Bailly oder Vincent Defrasne zum Vorbild. Aber auch mit diesem kleinen "Schönheitsfehler" bleibt Raphael ohne jeden Zweifel das große Vorbild der ganzen jungen Generation.

Neben Raph und Vincent sind auch Julien und Féfé für Olympia qualifiziert, allerdings ist Féfé's Form ja momentan nicht atemberaubend. Dafür hat Simon in Osrblie 2 sehr gute Rennen absolviert. Könnte er nicht eine Chance für Olympia bekommen, trotz der fehlenden Qualifikation ?
Im Moment ist noch niemand gesetzt. Die Athleten haben das Qualifikationskriterium erreicht, aber momentan ist die Auswahl für Olympia noch nicht beendet. Das wird am 20. Januar sein, aber es stimmt, dass 4 Athleten das Minimum erfüllt haben, um nach Turin mitzufahren. Aber freilich gibt es noch die anderen, es gibt die Nachrücker. Natürlich wäre da Simon, der in Osrblie sehr gut war und noch dazu einen 16.Platz hat. Dann gibt es noch Alex Aubert, der auch schon einen Teil und einen 16. Platz hat, Lionel Grebot mit einem Teil der Qualifikation und einem 17. Platz, man muss also abwarten, ob man noch einen von ihnen mitnehmen kann.

Vincent Jay ist ja im Junioren-Bereich richtig gut. Wieso bekommt er nicht mal eine Chance im Weltcup ? Von den anderen Jungen konnten ja nicht alle durch gute Resultate glänzen. Bei den Norwegern hat es sich auch gelohnt Emil Svendsen oder Julie Bonnevie-Svendsen eine Chance zu geben.
Vincent Jay ist gut, aber nicht sehr gut … er ist gut, ein guter Junior ! Er hat schon Rennen gegen die Senioren gemacht, war da aber nicht vorne, also hat er im Moment noch keinen Platz im Weltcup. Wir werden nach den Weltmeisterschaften und den Europameisterschaften, am Ende der Saison, weitersehen. Es wird wohl genauso werden, wie für Simon Fourcade und Pauline Jacquin, die bei den Weltmeisterschaften in Bessans Medaillen gewonnen haben und beim Weltcupfinale in Oslo starten durften. Momentan hat er noch keinen Platz, aber er kann ihn sich für die Zukunft gewinnen.

Wie beurteilst du die Veränderungen im Biathlon ? Die Einführung einer Mixed-Staffel, Nachtrennen und Show-Rennen wie "Auf Schalke". Sind die wirklich gut für den Biathlon und die Athleten ?
Ich denke die Mixed-Staffel ist sehr gut, um eine gewisse Dynamik in den Nationen zu entfachen. Es gibt viele Nationen, die nicht 4 Athleten eines Geschlechts haben und das gibt diesen Nationen eine Chance auch gute Rennen zu machen, also ist es sehr gut.
Was die Nachtrennen betrifft, denke ich, dass das wirklich ein sehr schönes Spektakel ist (man hat das in Ruhpolding letztes Jahr gesehen). Es ist eine Änderung, eine Innovation und es macht einen guten Eindruck. Die einzige Schwierigkeit ist die Anstrengung, die die Athleten spät am Abend erbringen müssen : danach fällt es vielen schwer einzuschlafen; aber das ist das einzige Problem.
Und Schalke, das ist halt was zum Werbung machen und um Sponsoren anzulocken. Was die Vorbereitung der Athleten betrifft, ist es schwer, damit umzugehen : Schalke ist zwischen 2 Weltcups, zwischen den Feiertagen, in einer Phase, wo die Athleten wieder viel Training brauchen und deshalb ist es wirklich ein Problem. Allerdings denke ich, dass der Biathlon solche Veranstaltungen braucht, vielleicht nicht gerade in Deutschland, aber in anderen Nationen wie Frankreich, wo man Biathlon bekannter machen muss und dem Sport ein besseres Image verschaffen muss.

Interview geführt von Anne Gassner & Karolin Hemp im Januar 2006